Familie Lobenstein :: Unsere Ringe
Unsere Ringe
Also bin ich pünktlich 10 Uhr am Sonntag nach Stuttgart in die Werkstatt gefahren, um zwei Silberringe zu schmieden. Ich kann einen Ringpuffer programmieren, ob mir das hier aber hilft? Auf jeden Fall müssen wir zuerst die Größen der Ringe ermitteln. Das ist bei mir recht einfach, weil ich sicherheitshalber beide Hände mitgebracht habe. Nur für Mandy wird das schwierig, wir schätzen einfach mal...
Das rechteckige Rohmaterial liegt schon bereit und wird von mir fachgerecht in drei Teile zerlegt. Ok, ich geb es zu, zwei Sägeblätter mussten dabei dran glauben, aber ein Sägeblatt pro Schnitt geht denk ich noch
. (Und ja, ich weiss, die Fotos sind schön unscharf, ich war halt noch nicht ganz munter...)
Als nächstes muss ich die Schnittflächen begradigen, dafür wird der Zuschnitt in ein Gerät eingespannt und mit de Feile bearbeitet. Das ist deswegen wichtig, weil später die beiden Randflächen zum Ring verlötet werden und deshalb gut zusammenpassen müssen. Aber das war einfach, einspannen und energisch drüberfeilen.
Jetzt kommt endlich ein Werkzeug nach meinem Geschmack, ein Hammer mit Plastikkopf. Der perfekte Mittelweg zwischen Gewalt und Gefahr für die Finger
. Mit Hammer und Ringriegel (das ist dieser Dorn da...) werden die Ringe rund, erhm, naja, so was ähnliches wie rund geschlagen. Wichtig ist eigentlich nur, dass die beiden Randflächen gut aneinander anschliessen.
Denn jetzt werden die Ringenden verlötet, dazu kommt der Handbrenner zum Einsatz, Hobbyköchen wohl eher von der Crème brûlée Zubereitung bekannt. Auf jeden Fall glühen die Ringrohlinge damit flink und das Lötsilber verbindet die Flächen. Jetzt ist es nur halt heiss und unrund...
Also kommt erst ein Wasserbad zum Einsatz und dann meine Freunde Plastikhammer und Ringriegel. Damit werden die Ringe zu Ringen geschlagen (was bei Silber ziemlich einfach geht, da es ein recht weiches Metall ist).
Zeit für ein erstes Zwischenergebnis, das sieht doch schonmal ziemlich professionell aus:
Nun wird dem eckigen Profil innen eine Rundung verpasst und diese mit verschiedenen Schleifpapieren verfeinert. Das geschieht mit einem Hängebohrmotor und ist nichts für Leute mit extremer Zahnarztphobie... Gute Nachricht für Frauen, die das auch mal machen wollen: Es gibt zwar ein Gaspedal aber keinen Rückwärtsgang, keine Kupplung, allerdings auch keinen Spiegel
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Jetzt wo innen die Rundung geglättet ist wird die Aussenseite poliert. Dafür werden die Ringe auf Holzfinger gespannt, an einer Drehmaschine rotiert und mit feinem Schleifpapier malträtiert. Bis die Oberfläche schön glänzt (hab ich schon erwähnt, dass die Ringe am Ende matt werden sollen?).
Noch in Zwischenergebnis? Gerne doch (ja, ich weiss, das sieht super aus
):
Aber noch nicht super genug... Also zurück an den Arbeitsplatz und mit Polierpaste die Innenseiten auf Hochglanz bringen. Die Überreste der Paste werden dann im Ultraschallbad (praktische Erfindung...) entfernt und damit sind die Ringe fast fertig.
Jetzt wird nur die Oberfläche noch mit einem rauhen Schwamm mattiert und fertig sind die Ringe. Schöne Kiste aussen drum und fertig:
Nach etwa fünf Stunden sind somit die beiden Ringe fertig. Ok, sie sind schlicht und aus einem einfachen Material, aber ich finde sie trotzdem gut
. Ich kann die Ringe natürlich unmöglich einfach so in dieser Kiste schenken. Also Walnuss halbiert (ja, ich hab mich dabei geschnitten. ja, es hat geblutet. nein, ich habe nicht geweint), mit Watte ausgelegt, Ringe dazu und einen Zettel mit dem Link zu eben dieser Seite hier rein. Zusammenkleben, aber immer noch nicht fertig. Mit Wolle umwickeln (für 150 Meter Wolle braucht ein Informatiker etwa 15 Minuten), Stricknadeln dazu und schon weiss niemand mehr, was das denn nun bitte sein soll:
Achja, Fotos vom Auspacken werde ich nachreichen wenn meine Gattin Heiligabend dahinter gekommen ist, was das denn soll ![]()
Hier nun der versprochene Bericht von Heiligabend: Nach der Bescherung der Kinder war dann meine Frau dran. So sieht eine glückliche Frau aus:
Nun gut, stricken hatte sie keine Lust drauf, also der Mandy'sche Ansatz: Drauflos wurschteln! Zwischenzeitlich durfte ich mir circa 15 Mal anhören, dass wir uns doch nichts schenken wollten... Dabei habe ich immer nur gesagt: Ja Schatz, ich werde dir nichts kaufen! Kleines, aber wichtiges Detail. War die Wolle endlich entfernt, kam der zarte Fuss zum Einsatz (was soll schon drin sein in der Walnuss, ich hab mir sicher die Mühe wegen einer einfachen Nuss gemacht!?!
Aber die Ringe haben es überlebt, Frau hatte Dauergrinsen und seit dem selten bis nie den Ring vom Finger. Und Ihren Geschmack und Größe habe ich auch mal eben so getroffen...
